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LiLith am Roten Meer - 2
Die Autorin
und Künstlerin Ute Becker – ist auch die Taucherin LiLith
Urheberrechte
und Copyrights auf ihre Texte,
Photographien und anderen Produkte und deren Abbildungen
verbleiben bei der Künstlerin LiLith, bzw. der Autorin Ute Becker
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Sie möchten
doch wissen, wer LiLith ist? Wir finden sie im Alten Testament unter den
Pseudoepigraphischen Schriften:
Zitiert aus „Pseudoepigraphische
Schriften“
„Als Gott Adam erschuf, sagte er: Es ist nicht
gut, daß der Mensch allein sei. Daher erschuf er für
ihn eine Gehilfin, ebenfalls aus Erde (Andere Lesart: aus der gleichen Erde)
und nannte sie Lilith. Sobald sie geschaffen war, begann sie einen Streit und sagte:
Weshalb sollte ich unten liegen? Ich bin ebenso viel (wert) wie du, wir sind
beide aus Erde geschaffen. Als aber Lilith sah, daß
sie Adam nicht überwältigen konnte, sprach sie den unaussprechlichen
Gottesnamen aus und flog in die Luft. Adam betete und sagte: Herr der Welt. Die
Frau, die du mir gegeben hast, ist von mir weggegangen. Darauf sandte Gott drei
Engel, die sie zurückbringen sollten. Diese sagten zu ihr: Gott hat
beschlossen: Wenn du zurückkehren willst, ist es gut. Wenn nicht, dann mußt du als Strafe es auf dich nehmen, daß
jeden Tag hundert Kinder von dir sterben. Die Engel suchten Lilith und fanden
sie im reißenden Wasser, in demselben Wasser, in dem später die Ägypter
ertrinken sollten. Sie meldeten ihr den göttlichen Befehl. Aber sie weigerte
sich, zurückzukehren. Da sagten sie (die Engel) zu ihr: Wir müssen dich in
diesem Wasser ertränken. Aber sie bat und sagte: Laßt
mich, denn ich bin dazu geschaffen worden, kleine Kinder zu verderben. Wenn es
ein Knabe ist, werde ich acht Tage, wenn es ein Mädchen ist, werde ich zwanzig
Tage Gewalt über das Kind haben. Als sie ihre Worte hörten, drängten sie sie
noch mehr, daß sie ihnen gehorche. Da sagte sie: Ich
schwöre euch im Namen des lebendigen und großen Gottes: Wenn ich eure Namen
auf einem Amulett geschrieben sehen werde, dann werde ich das Kind nicht
schädigen. Sie nahm es auch auf sich, daß jeden Tag
hundert ihrer Kinder starben. Wenn wir jetzt diese (Engel-)Namen auf ein
Amulett schreiben, dann erinnert sie sich dieses Schwures und das Kind ist
gerettet. Die Namen der Engel sind: Sanvai, Sansanvai und Semagloph."
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Ute
Becker
Atolle
sind Koralleninseln, gebaut über Millionen Jahre von winzigen Polypen. Die
Bauleistung der winzigen Korallenpolypen wird von keinem anderen irdischen
Organismus erreicht - auch nicht vom Menschen. Das größte Bauwerk, das
überhaupt jemals von Lebewesen auf der Erde errichtet wurde, ist das Große
Barriereriff an der Nordostküste Australiens. Ein Korallenriff ist im Meer der
am dichtesten und am vielfältigsten besiedelte Lebensraum. Nebeneinander siedeln
sowohl alte, bewährte Konstruktionen wie auch hoch spezialisierte, jüngste
Ergebnisse einer über 2 Milliarden Jahre wirkenden Evolution. Ein Korallenriff
- etwa das Mururoa-Atoll im Pazifik - gleicht einer in den Himmel ragenden
Großstadt in einer Wüste. Die verwirrend vielfältigen Beziehungen der Riffbewohner
untereinander und zu ihrer Umwelt übertreffen möglicherweise die komplexe
Infrastruktur einer Großstadt. Das Great Barrier Riff
ist der größte Organismus der Erde. Durch die Mensch
gemachte Klimaerwärmung wird dieses größte Erdwunder bis zum Jahr 2050
abgestorben sein.
Dennoch
glaubt der französische Philosoph Glucksmann zu wissen, dass durch die
anhaltenden Atombombenversuche im Mururoa-Atoll nur „ein paar Fische“ betroffen wären. Ich möchte heulen ob dieser
Ignoranz und Arroganz … denn ich bin in ein solches Korallenmeer hinein
getaucht und ich habe das Paradies geschaut.
Anfang
der 70er Jahre trieb mich die Sehnsucht nach einer vom Menschen unberührten
Welt um. Ich suchte Jahre lang. Am Nachmittag des 2. August 1973 kam ich in
einer Wüste am Roten Meer an - bei immer noch 48° im Schatten. Von Sonnenaufgang
bis Sonnenuntergang variierten die Berge in allen Farbnuancen, die
Eisenoxidverbindungen hervorbringen können: von Gelb bis Violettbraun. Zu
Füßen dieser warmfarbigen Bergriesen lag das Meer in den Komplementärfarben
zwischen Blau und Grün.
Je
näher ich an das Wasser herantrat, desto mehr zog es mich in seinen Bann. Die
unbeschreibliche Verheißung einer außerirdischen Welt nahm Gestalt an –
präsentiert unter der zerbrochenen Glasscheibe des Wassers. Die Sehnsucht, in
diese fremde, in allen Farben schillernde Welt einzutauchen, wurde übermächtig.
Wie viele unserer Vorfahren haben sich der Magie eines Korallenmeeres ergeben
und sich hineinfallen lassen? Hat der Anblick dieser Korallenriffe den Mythos
vom Paradies entstehen lassen?
Bevor
ich mich in das Paradies hineinstürzte, unterzog ich mich in der roten Vorhölle
der Wüste, der Reinigung meines Körpers, meiner Seele, meines Geistes. Ich warf
den Ballast der Zivilisation ab. Dann tauchte ich in das Paradies, in „mein“
Korallenmeer ein. Es war warm, und ich pinkelte sofort in meinen Tauchanzug.
Ein Reflex. Mir war wohlig warm in meinem Tauchanzug.
Als
ich auftauchte, war meine Weltsicht verändert. Ich hatte einen winzigen
Ausschnitt eines gigantischen Korallenriffs eines riesigen Ozeans gesehen und
wusste nun, dass die Milliarden Jahre alte, irdische Evolution unnachahmliche
Meisterin aller Formen, Strukturen und Farbgebungen ist. Ihre Vielfalt und
Schönheit war für mich als Künstlerin atemberaubend. Die Faszination ging bis
an die Schmerzgrenze.
Was
würde uns auf anderen Planeten in anderen Sonnensystemen in anderen Galaxien
in anderen Universen noch geboten werden können?
Einen Vorgeschmack dessen bekommen Wissenschaftler bei ihren „Fischzügen“
durch die Tiefen des Ozeans. Ihnen gehen Kreaturen ins Netz, die wir bis dahin
nur aus dem Reich der Fantasie kannten.
Noch
ist unsere Erde ein Paradies - aus dem wir Menschen uns zwar selbst vertreiben,
indem wir überall eindringen und Hand anlegen. Auch ich hätte mich beinahe an
diesem Geheimnisverrat beteiligt: Ich plante einen Bildband über diese
Unterwasserwelt. Dann wurde mir die Gefahr für mein Paradies durch eine
Publikation bewusst und ich verzichtete darauf. Ich verzichtete sogar auf das
Tauchen selbst, obwohl mir noch heute die Brust vor Sehnsucht nach meiner Welt
zerspringen will.
Indessen
weiß ich, dass es mein Paradies nicht mehr gibt. Bade- und Tauchtourismus,
Windsurfen, Motorboote, Wasserski, Schnorcheln, Abwasser, Überfischung,
Klimaerwärmung haben es in den wenigen 25 Jahren seit meinem Abschied
zerstört. Das, was die Menschen heute dort schauen, um es weiter zu zerstören,
ist nur noch ein schwacher, todtrauriger Abklatsch der atemberaubenden
Schönheit und Vielfalt, die ich geschaut hatte.
Meine
Diapositive sind ein Schatz, den ich nur Auserwählten zeige. In meinem Körper
bewahre ich den Schatz meiner Erinnerung auf.
Als
Trost für meinen freiwilligen Verzicht griff ich zu dem Material, das in der
Wüste, dem höllisch heißen Vorzimmer zum Roten Meer, zu meinen Füßen gelegen
hatte: Ton. Meine Bildende Kunst wurde eine Hommage an das Geschaute unter
Wasser. Ich trage ein geschautes Paradies als Maßstab in mir. Damals war
ich LiLith.
Ich
tauchte viel und gern allein, vorzugsweise in 10 bis 15 m Tiefe, weil ich dort
so lange unter Wasser bleiben konnte, wie meine Pressluft reichte. In dieser
Tiefe wurde mein Blut nicht mit Stickstoff gesättigt. Man musste nicht
dekomprimieren. Ich bewunderte meine Korallenpaläste, diese Meisterwerk der
Evolution und weinte vor Dankbarkeit in meine Taucherbrille. Ich tanzte mit den
Wölfen des Wassers: zwei Hammerhaie über mir, das heißt unter der Wasseroberfläche,
beim Liebesspiel, und ich tief unter ihnen, mich wie eine Nixe windend, ihre
Bewegungen nachahmend. Ich war grün gekleidet: Tauchanzug, Schnorchel, Handschuhe.
Ich war gut getarnt.
Lieber
noch schwärmte ich zu den riesigen Fischfamilien aus. Durch die amorphe
Bewegung des Schwarms erklang in meiner Phantasie die exakte Musik des
„Kaiserwalzers“. Der Tanz eines Fischschwarmes ist die in Bewegung gegossene
Musik, Walzer in Vollendung. Der Schwarm wiegte sich, ich wiegte mich im Takt
zur „Diebischen Elster“, „An der schönen blauen Donau“. Ich hielt meinen
Schnorchel als Dirigentenstab in der Hand. Ich lachte unter Wasser, die Maske
lief voll, und ich schluckte Salzwasser.
Das
Tauchen ließ eine tiefe Wertschätzung der Tiere in mir erwachsen. Ich begann
sie mit offenen Augen zu sehen und zu lieben. Meine Weltsicht änderte sich
grundlegend. …
…
Ich lebte ein halbes Jahr in meiner Wüste an meinem Meer, allein in einem Zelt.
Meine Ohren nahmen ungeahnte Qualitäten an. Nur zwei Dinge hörte ich nicht:
Das Gras wachsen und den gelben, sehr giftigen Skorpion, der es sich in meinem
Schlafsack gemütlich gemacht hatte. …“
©
Copyrights by Ute Becker – Berlin
Veröffentlicht
in:
Neue
Keramik, Verlag Weiß, Berlin, 1995
Bevor wir die
Kunstseite verlassen, stelle ich Ihnen meinen Mitarbeiter, meinen „Muser“,
meinen Lektor, den Literaturkritiker Kater Pippo vor.
Besuchen Sie ihn auf seiner Seite Kater,
Katz & Co
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© Copyrights & Layout by Ute